Grandfilm On Demand

Filme streamen und Independent-Kinos unterstützen!

Video On Demand, aber solidarisch mit Independent-Kinos: das bieten wir jetzt mit Grandfilm On Demand an. Ihr könnt unsere Filme für eine Gebühr streamen, wir teilen den Gewinn 50/50 mit den Kinos, die regelmäßig unsere Filme zum Start spielen. Unterstützt mit uns den Erhalt dieser engagierten Orte der Filmkultur während der Coronavirus-Krise!

Weitere Filme kommen jede Woche dazu, die aktuelleste Übersicht gibt es auf unserer VoD-Seite bei Vimeo.

Updates bekommt Ihr über unseren Newsletter (Anmeldung oben über das +) oder über unsere Social Media-Kanäle.

Übrigens bieten wir jede Woche einen Film zum Sonder-Appetizer-Preis von 99 Cent an, damit auch die, die momentan sparen müssen, Filme streamen können. Aktuell ist es ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT IST KEIN VERBRECHEN.

Und hier die Liste der Kinos, unter denen wir die Hälfte des Gewinns aufteilen:

Lichtspiel Bamberg / Brotfabrik Berlin / Filmrauschpalast Berlin / FSK Berlin / Hackesche Höfe Kino Berlin / Wolf Kino Berlin / Endstation Kino Bochum / City46 Bremen / SweetSixteen Dortmund  / Kino im Dach (zukünftig: Zentralkino) Dresden / Filmkunskinos Düsseldorf  / Mal seh’n Frankfurt/Main / Zazie Halle  / Abaton Hamburg / 3001 Hamburg / Koki Hannover / Lodderbast Hannover / Karlstorkino Heidelberg  / Kinemathek Karlsruhe / Filmpalette Köln / Lichtspiele Kalk Köln / Cineding Leipzig / Cinemathèque Leipzig / Luru Kino Leipzig / Moritzhof Magdeburg / Cinema Quadrat Mannheim / Theatiner München / Werkstattkino München / Cinema Münster / Filmhaus Nürnberg / Walzenlager Kino Oberhausen / Cine K Oldenburg / Thalia Potsdam / Filmgalerie Regensburg / Linse Weingarten

SYNONYMES

Ein Film von Nadav Lapid

 

Yoav hat keinen guten Start in Paris. Die Wohnung, an deren Tür er klopft, ist leer. Als er dort ein Bad nimmt, werden seine Sachen gestohlen. Dabei ist der junge Israeli mit höchsten Erwartungen hierher gekommen. Er will so schnell wie möglich seine Nationalität loswerden. Israeli zu sein ist für ihn eine Belastung, seine Landsleute nerven ihn ebenso wie die Besuche auf der israelischen Botschaft. Franzose zu werden hingegen bedeutet für ihn die Erlösung. Um seine Herkunft auszulöschen, versucht Yoav die Sprache zu ersetzen. Kein hebräisches Wort soll mehr über seine Lippen kommen, stattdessen setzt er alles daran, sein Französisch zu vervollkommnen. Das Wörterbuch wird zum ständigen Begleiter auf seinen ziellosen Streifzügen durch Paris. Halt findet er scheinbar bei Caroline und Emile, einem jungen französischen Paar, mit dem er sich anfreundet. Doch ihr Interesse an seiner Person scheint nicht ganz selbstlos zu sein…

 

Basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Nadav Lapid hintergründig und mit trockenem Humor von der Schwierigkeit, neue Wurzeln zu bilden. Eine tragikomische Hommage an die Nouvelle Vague, ein rauschhafter Trip durch das Paris von heute, eine unsentimentale Geschichte über den Versuch, in einem neuen Leben anzukommen.

 

69. Berlinale 2019 – Goldener Bär – bester Film + FIPRESCI-Preis

 

Frankreich/Deutschland/Israel 2019, 123 Minuten, französisch-hebräische OmU/dF, Regie und Drehbuch: Nadav Lapid, mit: Tom Mercier, Louise Chevillotte, Quentin Dolmaire, Uri Hayik u. a.

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/synonymes

DIE GETRÄUMTEN

Ein Film von Ruth Beckermann

 

Um Liebe und Hass, um richtige und falsche Worte, geht es in dem Film „Die Geträumten“. Im Zentrum stehen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die sich im Nachkriegswien kennengelernt haben. Ihr Briefwechsel bildet die Textgrundlage. Die dramatische, rauschhafte, aber auch unendlich traurige Liebesgeschichte zwischen Bachmann und Celan beginnt 1948, als sie 22 und er 27 Jahre alt ist, und sie endet mit dem Suizid Celans 1971 in Paris. Für Ingeborg Bachmann ist es die große Liebe ihres Lebens, und doch hört sie nie auf, in ihm den Fremden zu sehen und ein bisschen wohl auch zu fürchten: einen Juden aus Czernowitz, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind, während sie selbst nichts dergleichen erlebt hat. Sie liebt ihn und stößt an Grenzen, an ihre eigenen und an seine. Es geht nicht immer nett zu in diesen packenden Briefen. In einem Moment des Zweifels fragt sie: „Sind wir nur die Geträumten?“

 

Zwei junge Schauspieler*innen, Anja Plaschg und Laurence Rupp, treffen sich in einem Tonstudio, um daraus zu lesen. Die dramatisch schwankenden Gefühle der Briefe – zwischen Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit – gehen auf sie über. Aber sie amüsieren sich auch, streiten, rauchen, reden über Tattoos und Musik. Ob die Liebe damals oder die Liebe heute, ob Inszenierung oder Dokumentation: Wo die Ebenen verschwimmen, schlägt das Herz des Films.

 

Österreich 2016, 89 Min., dF/OmeU, Regie: Ruth Beckermann, Buch: Ina Hartwig, Ruth Beckermann, mit Anja Plaschg, Laurence Rupp

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/getraeumten

SWEET COUNTRY

Ein Film von Warwick Thornton

 

1929 im Outback des Northern Territory in Australien: Sam Kelly, ein Aborigine mittleren Alters, arbeitet für den freundlichen Prediger Fred Smith. Als der herrische Harry Marsh von der Westfront zurückkehrt und eine Rinderfarm übernimmt, soll Sam mit seiner Frau und seiner Tochter einen Vorposten renovieren. Doch Harry entpuppt sich als ein kranker und verbitterter Mann, seine Beziehung zu Sam eskaliert schnell. Während einer heftigen Schießerei schließlich muss Sam Harry töten, um sein eigenes Leben zu retten. So wird Sam zum Mörder eines weißen Mannes. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als mit seiner schwangeren Frau in das lebensfeindliche Outback zu fliehen. Eine von Sergeant Fletcher geleitete Gruppe versucht die beiden hier aufzuspüren, doch dem klugen und erfahrenen Buschmann Sam gelingt es immer wieder, seine Fährte zu verwischen…

 

  • Filmfestspiele Venedig 2017 – Großer Preis der Jury

 

Australien 2017, 113 Min., dF / OmU, FSK: ab 12 Jahre, Regie: Warwick Thornton, mit: Hamilton Morris, Bryan Brown, Thomas M. Wright, Ewen Leslie, Sam Neill u. v. a.

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/sweetcountry17

DIE ERBINNEN

 

Ein Film von Marcelo Martinessi

 

Chela und Chiquita sind schon lange ein Paar, über die Jahre sind sie in ihren Rollen innerhalb der Beziehung erstarrt. Während die extrovertierte Chiquita das gemeinsame Leben organisiert, verbringt Chela die Tage lieber bei gedämpftem Licht hinter ihrer Staffelei. Die finanzielle Lage des Paares ist nicht rosig und zwingt die beiden dazu, Teile ihres geerbten Mobiliars zu verkaufen – selbst, wenn es sich um Erinnerungsstücke handelt. Als Chiquita wegen Überschuldung ins Gefängnis kommt, ist Chela plötzlich auf sich allein gestellt. Sie kommt auf die Idee, mit ihrem alten Mercedes einen Taxi-Service für wohlhabende ältere Damen aus der Nachbarschaft anzubieten. Beim Chauffieren lernt sie die junge, lebensfrohe Angy kennen und ist fasziniert von ihr. Die Begegnung lockt Chela aus ihrer Passivität und lässt sie ihre eigenen Sehnsüchte neu entdecken…

 

Ein universelles Melodram über die Kraft der Liebe.

 

Vier Preise auf der Berlinale 2018 (Silberner Bär: beste Darstellerin – Silberner Bär: Alfred Bauer-Preis – FIPRESCI-Preis – Teddy Award der Leserjury von ‚Mannschaft‘) sowie zahlreiche weitere internationale Preise.

 

Paraguay/Uruguay/Deutschland/Brasilien/Norwegen/Frankreich 2018, 95 Min., deutsche Fassung und span. OmU-Fassung; Regie, Drehbuch: Marcelo Martinessi, mit: Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, Nilda Gonzalez u. a.

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/erbinnen

BELLA E PERDUTA – EINE REISE DURCH ITALIEN

Ein Film von Pietro Marcello

 

BELLA E PERDUTA ist eine mythische Parabel über Anmut, Verfall und den Wert des vermeintlich Wertlosen. Pulcinella, der dumme Diener aus der Commedia dell’arte, wird aus den Tiefen des Vesuvs in das heutige Kampanien geschickt. Er soll den letzten Willen von Tommaso, einem einfachen Hirten, erfüllen und einen jungen Büffel namens Sarchiapone retten. Sein Weg führt ihn in eine verlassene Residenz der Bourbonen in der Nähe von Neapel. Dort, im Palast von Carditello, findet Pulcinella den kleinen Büffel, der zu seiner Überraschung auch des Sprechens mächtig ist. Die beiden Diener – Mensch und Tier – begeben sich auf eine lange Reise durch das schöne und verlorene Italien. Sie begegnen einer archaischen Welt, in der die einfachen Menschen wie vor Jahrzehnten leben. Aber werden sie am Ende ihrer Reise finden, was sie sich erhofften?

 

Regisseur Pietro Marcello ließ sich von der italienischen Sagenwelt inspirieren und zeigt uns das heutige Italien in all seiner Zerrissenheit durch die Augen eines Büffels und eines Narren. Ein Film voller Traumbilder, der auch die Frage nach bewahrenswerten Traditionen stellt, ohne dabei in Nostalgie zu verfallen. Seit Pasolini hat kein Filmemacher mit solcher Intensität um die dem Untergang geweihte Kultur Italiens getrauert.

 

Hier ein Videointerview mit Regisseur Pietro Marcello: https://www.youtube.com/watch?v=AU7SqZTLl9Y

 

Italien 2015, 87 Min., ital. OmU, Regie: Pietro Marcello, mit Tommaso Cestrone, Sergio Vitolo, Gesuino Pittalis u. a.

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/bellaeperduta

ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT IST KEIN VERBRECHEN

 

Ein Film von Marita Neher und Tatjana Turanskyj

 

Lena (Nina Kronjäger) ist eine Journalistin in der Krise, die zunächst in Berlin zum Thema „Europäische Sicherheitspolitik“ recherchiert und sich dann auf den Weg in den Norden Griechenlands macht, nach Thrakien, dem Grenzland zwischen Bulgarien und der Türkei. Ihr Ziel: der neue Sicherheitszaun, der Griechenland von der Türkei trennt. Zufällig begegnet sie Amy (Anna Schmidt), einer Aktivistin, die teils aus Langeweile, aber auch aus Neugier, Lena bei ihren Recherchen begleitet. Es ist die Geschichte einer Begegnung zweier Frauen, die beide mit unterschiedlicher Ambitionen in Griechenland unterwegs sind. Aus der Reibung ihrer beiden Perspektiven entspringt ein Road Movie durch die griechische Provinz, auf der Suche nach unsichtbaren Grenzen und einer Haltung zur Gegenwart.

 

Festivals:

2. Woche der Kritik, Berlin 2016 (Weltpremiere)
Underdox 11, München 2016

 

Deutschland/Griechenland 2016, 76 Min., Regie: Marita Neher & Tatjana Turanskyj, mit: Nina Kronjäger, Anna Schmidt, Fabio Pink, Sven Seeger, u.a.

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/oikv

HAVE A NICE DAY

Ein Film von Liu Jian

 

Eine Million Yuan sind eine Menge Geld, Xiao will davon seiner Freundin eine Schönheits-OP zahlen. Als er die Tasche voller Scheine klaut, setzt Mafiaboss Onkel Liu seinen besten Killer „Bohnenstange“ auf Xiao an. Doch auf der irrwitzigen Odyssee durch eine chinesische Provinzstadt werden es immer mehr gierige Hände, die dem Geld hinterher jagen. Philosophierende Gangster, in die Jahre gekommenen Auftragsmörder, vom Überlebenskampf ermüdete Männer und Frauen: wer immer die Tasche gerade in der Hand hat, setzt alles daran, sie in Sicherheit zu bringen. Bis die Jagd ein absurdes und blutiges Ende findet – über das Mao Zedong von den Banknoten herab nur milde lächeln kann…

 

HAVE A NICE DAY ist eine schwarze Komödie, deren abgründiger und lakonischer Humor wie ein Vergrößerungsglas für Lebensgefühle und gesellschaftliche Zustände im heutigen China wirkt. Die zeitlose Gier des Menschen und die Gegenwart eines zutiefst verunsicherten Landes im Wandel treffen aufeinander. Liu Jian hat diesen Film mit seinen realistischen Tableaus und originellen Charakteren fast im Alleingang in seinem Animationsstudio realisiert, eine Förderung durch die chinesischen Kulturbehörden war undenkbar.

 

China 2017, Animation, 77 Min., deutsche Fassung und chinesische OmU-Fassung (mandarin), FSK ab 12 Jahre. Buch & Regie: Liu Jian

 

Hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/hand

FRIDAS SOMMER

Ein Film von Carla Simón

 

Spanien 1993: es ist Sommer in Barcelona, doch für die sechsjährige Frida sind es traurige Tage. Schweigend sieht sie zu, wie die letzten Gegenstände aus der Wohnung ihrer kürzlich verstorbenen Mutter verpackt werden. Zum Abschied laufen Freunde winkend hinter dem Auto her, das sie zu Verwandten aufs Land bringt. Und obgleich sie von der Familie ihres Onkels liebevoll aufgenommen wird, lebt sich Frida fernab ihrer Heimatstadt nur zögerlich in die neue Umgebung ein. Sie tollt mit ihrer Cousine Anna durch den Garten und erkundet die Hänge und den nahegelegenen Wald, aber trotz des strahlenden Sommers macht sich immer wieder Traurigkeit bei Frida breit. Das im Grunde lebensfrohe Mädchen verhält sich unvorhersehbar und launisch, was ihre Tante Marga und ihren Onkel Esteve vor echte Herausforderungen stellt. Wird Frida sich an ihr neues Zuhause gewöhnen?

 

Ein berührendes Coming of Age-Drama über Krankheit und Tod – und das Leben danach. „Seit »Boyhood« hat kein Film soviel Respekt und Einfühlungsvermögen dafür gezeigt, was es heißt, ein Kind zu sein.“ San Diego Reader

 

  • 67. Berlinale – Großer Preis der internationalen Jury Generation KPlus + Preis für den besten Erstlingsfilm
  • Goya – Spanischer Filmpreis 2018 – Beste Regienewcomerin, Bester Nebendarsteller, Beste Nachwuchsdarstellerin
  • Offizieller spanischer Beitrag für die Oscars 2018
  • sowie rund 60 weitere internationale Auszeichnungen

 

Spanien 2016, 96 Min., deutsche Fassung / katalanische OmU-Fassung, FSK: ohne Altersbeschränkung, Regie: Carla Simón, mit: Laia Artigas, Paula Robles, Bruno Cusí, David Verdaguer u. v. a.

 

Und hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/fridassommer

JEANNE D’ARC

Ein Film von Bruno Dumont

 

Frankreich, 1430. Die jugendliche Jeanne d’Arc, zuvor als Retterin Frankreichs mit göttlichen Eingebungen verehrt und zur Anführerin berufen, fällt in Ungnade. Nach militärischen Erfolgen gegen die Engländer unterliegt sie mit der königlichen Armee in der Schlacht von Compiègne. In der Folge fallen Getreue von ihr ab, Intrigen werden gesponnen. Schließlich wird die junge Frau gefangen genommen. Vor einem Kirchengericht wird ihr unerbitterlich der Prozess gemacht und sie wird als Ketzerin zum Tode verurteilt.

 

Regisseur Bruno Dumont (TWENTYNINE PALMS, CAMILLE CLAUDEL 1915, KINDKIND) folgt nach JEANNETTE – DIE KINDHEIT DER JEANNE D’ARC, seiner Musical-Vitalkur für die heilige Jungfrau von Orlèans, für diese Passionsgeschichte dem 1897 erschienen Drama von Charles Péguy. Den Originaltext singt die französische Chanson-Legende Christophe ein, mit verblüffendem Ergebnis. In seiner von den Mitteln des epischen Theaters durchdrungenen Reflexion über unverdorbenen Idealismus und das Machtgefüge der Alten ergeben sich überraschende Perspektiven auf unsere politische Gegenwart.

 

„Der neue Film von Bruno Dumont bietet einen guten Schlüssel, um die Tiefe der prophetischen Dimension von Greta Thunberg zu ergründen. Es ist schwer, in dem Hass, den sie auslöst, nicht das Gesicht von Jeannes Staatsanwalt Bischof Cauchon zu erkennen, der sich nicht an das Öl verkauft hat, sondern an England.“ Bruno Latour auf Twitter

 

„Radikales Kino, das man genießen und feiern kann.“ otroscines.com

 

Frankreich 2019, 138 Minuten, französische OmU-Fassung, Regie: Bruno Dumont, mit Lise Leplat Prudhomme, Jean-François Causeret, Daniel Dienne, Fabien Fenet, Robert Hanicotte, Yves Habert u. v. a.

 

Und hier geht es zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/jeanne

LA FLOR

Ein Film von Mariano Llinás

 

Ein Film, der mit sechs Episoden, die von verschiedenen Filmkunstformen inspiriert sind, der Kinogeschichte Anerkennung zollt. Jede Episode gehört einem Genre an. Die erste Episode könnte als B-Film betrachtet werden, also als diejenige Sorte von Film, welche die Amerikaner früher mit geschlossenen Augen gedreht haben und heute einfach nicht mehr drehen können. Die zweite Episode ist eine Art Musical mit einem geheimnisvollen Touch. Die dritte Episode ist ein Spionagefilm. Die vierte ist schwer zu beschreiben. Die fünfte ist von einem alten französischen Film inspiriert. Und die letzte Episode handelt von einigen gefangenen Frauen, die im 19. Jahrhundert, nach vielen Jahren bei den Indianern, aus der Wüste zurückkehren.

 

Zehn Jahre lang hat Mariano Llinás an seinem knapp 14-stündigen Epos gearbeitet, und das Ergebnis zählt unbestritten zu den außergewöhnlichsten Kinoereignissen des Jahres. Eine Serie für die Leinwand, eine verspielte, vor Ideen berstende Hommage an das Kino und das Geschichtenerzählen überhaupt. Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa und Laura Paredes bilden für drei Kapitel ein fulminant aufspielendes Quartett, das in sechs Episoden und acht Akten, umgeben von Dutzenden NebendarstellerInnen, als betörend roter Faden der Serie fungiert. Verwirrend? Dabei ist alles ganz einfach: Jede Episode bezieht sich auf ein klassisches Filmgenre, das Llinás genüsslich dekonstruiert und dem er zugleich huldigt. LA FLOR ist ein wunderbares Mysterium, wie es sich Llinás’ Landsmann Borges nicht besser hätte ausdenken können.

 

Argentinien 2018, 837 Min., OmU (Spanisch/Französisch/Englisch/Russisch/Deutsch/Schwedisch/Italienisch), Regie: Mariano Llinás, mit Elisa Carricajo, Pilar Gamboa, Valeria Correa, Laura Paredes u. v. a.

 

Wir streamen LA FLOR in acht Teilen, die jeweils dienstags und freitags veröffentlicht werden.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/laflor19

DIE MASKE

Ein Film von Małgorzata Szumowska

 

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

 

Polen 2018, 91 Min., deutsche Fassung und polnische OmU-Fassung; FSK ab 12 Jahre; Regie: Małgorzata Szumowska, mit Mateusz Kościukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Małgorzata Gorol, Anna Tomaszewska, Dariusz Chojnacki, Robert Talarczyk, Roman Gancarczyk u. v. a.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/diemaske

ANGELO

Ein Film von Markus Schleinzer

 

Anfang des 18. Jahrhunderts: als eine Gruppe junger versklavter Männer aus Afrika nach Europa verschleppt wird, ist unter ihnen auch ein zehnjähriger Junge. Von einer Comtesse zum Studienobjekt auserkoren, wird dieser Junge auf den Namen Angelo getauft und erhält eine umfangreiche sprachlich-musische Ausbildung. Schnell macht die Kunde von dem exotischen, aber euroäisierten Kammerdiener die Runde. So wird Angelo im Europa der beginnenden Aufklärung herumgereicht, von Adelshaus zu Adelshaus, von Messina bis an den kaiserlichen Hof in Wien. Aber erst das Dienstmädchen Magdalena erkennt in ihm mehr als nur ein dekoratives Ausstellungsstück und verliebt sich in ihn. Als die geheime Verbindung der beiden auffliegt, wird für Angelo klar, dass er trotz Bildung und Christianisierung in der höfischen Gesellschaft ein Fremdling geblieben ist …

 

Markus Schleinzers zweiter Spielfilm nach seinem vielbeachteten Debüt MICHAEL basiert auf historischen Begebenheiten. ANGELO erzählt eine Geschichte über Identität, Legendenbildung, Selbstinszenierung und Projektionen. In der Figur des Angelo Soliman werden Sehnsüchte und Zuschreibungen sichtbar, die aus der Historie stammen, aber bis heute den Umgang Europas mit Menschen aus anderen Weltgegenden bestimmen.

 

Österreich/Luxemburg 2018, 111 Minuten, französisch-deutsche OmU-Fassung, Regie: Markus Schleinzer, mit: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Kenny Nzogang, Lukas Miko, Jean-Baptiste Tiémélé, Nancy Mensah-Offei, Christian Friedel u. a.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/angelo

FÉLICITÉ

Ein Film von Alain Gomis

 

Félicité ist Sängerin und tritt jeden Abend in einer Bar in Kinshasa auf. Sie ist eine Frau in der Mitte ihres Lebens, stolz und unabhängig, doch sobald sie singt, scheint sie die Welt um sich herum zu vergessen. Es sind rauschhafte Nächte, denn Félicités Musik hypnotisiert und bewegt ihr Publikum. Als ihr Sohn nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt und dringend operiert werden muss, versucht Félicité, das dafür nötige Geld aufzutreiben. Sie begibt sich auf eine atemlose Reise durch die kongolesische Metropole zwischen Armut und dekadentem Reichtum. Unterstützung bekommt sie durch den Schwerenöter Tabu, einen der Stammgäste der Bar. Er ist es auch, der Félicités Sohn nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus der Lethargie entreißt und ihn zurück ins Leben führt. Die Umstände habe diese drei unterschiedlichen Menschen zu einer Schicksalsgemeinschaft gemacht. Félicités karge Wohnung mit dem permanent kaputten Kühlschrank wird zum utopischen Ort in einem Land, das für die meisten seiner Einwohner*innen keine Hoffnung bereithält…

 

  • Oscar 2018 Shortlist – Best Foreign Language Film
  • 67. Internationale Film Festspiele Berlin – Silberner Bär – Großer Preis der Jury
  • Fespaco 2017 – Gewinner des goldenen Hengstes

 

Frankreich / Senegal / Belgien / Deutschland / Libanon 2017, 123 Min., Regie & Buch: Alain Gomis, Musik: The Kasaï Allstars, mit: Véro Tshanda Beya, Gaetan Claudia, Papi Mpaka

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/felicite17

 

DER JUNGE UND DIE WELT

Ein Film von Alê Abreu

 

Die Arme und Beine des kleinen Cucas sind schmal wie Nähgarn und der Kopf rund wie ein Fussball oder wie die Weltkugel, die er mit neugierigem Blick erkundet. Sein Interesse gilt all jedem, was er in und um sein Dorf entdeckt. Blumen, Fische, Vögel, aber auch die Klänge und Melodien, die sich vor seinen Augen in schillernde Farben verwandeln, fesseln seine Aufmerksamkeit. Leicht ist er, leicht wie eine Feder und so passiert es schon mal, dass der Wind ihn ergreift und bis hoch oben in die Wolken trägt, von wo er eine besondere Aussicht auf die Erde bekommt. Doch Cucas Leben erfährt eine harte Landung als sein Vater die Familie verlässt, um in der Stadt Arbeit zu finden. Kurzentschlossen macht sich der kleine Junge mit gepacktem Koffer auf, seinen Vater zu suchen, in der Hoffnung die Familie wieder zusammen zu bringen…

 

Brasilien 2013, 80 Min., FSK: ohne Altersbeschränkung, ohne Dialog, Regie: Alê Abreu.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/djudw

ZAMA

Ein Film von Lucretia Martel

 

Don Diego de Zama, ein in Südamerika geborener Offizier der Spanischen Krone, sitzt in einem Provinzort an der Küste fest. Sehnlichst erwartet er einen Brief des Königs, der ihm eine Versetzung nach Buenos Aires mitteilen soll, wo er ein neues Leben beginnen möchte. Nichts soll seine gewünschte Versetzung gefährden, was Zama dazu zwingt, jede Anweisung untertänigst zu befolgen, die ihm von den zuständigen Gouverneuren zugetragen wird. Doch während die Gouverneure kommen und gehen, bleibt der ersehnte Brief des Königs aus. Nach Jahren des vergeblichen Wartens beschließt Zama, sich einer Gruppe von Soldaten anzuschließen, die einen gefährlichen Banditen jagen.

 

Argentinien/Brasilien/Spanien/Frankreich/Niderlande/Mexiko/Portugal/USA 2017, 115 Min., OmU/OmeU, FSK: ab 12 Jahren, Buch & Regie: Lucrecia Martel; mit: Daniel Giménez Cacho, Lola Duenas, Matheus Nachtergaele, Juan Minujín u. a.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/zama17

SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES

Ein Film von Julian Radlmaier

 

Ein bürgerlicher Windhund gesteht, wie er vom Filmemacher zum Vierbeiner wurde: Weil er gerade keine Förderung bekommt, sieht JULIAN sich gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin CAMILLE weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage. Während Julian unter der körperlichen Arbeit leidet und sich vor den merkwürdigen Zimmergenossen in den Containerbaracken fürchtet, stürzt sich Camille enthusiastisch in die vermeintliche Recherche und freundet sich mit HONG und SANCHO an, zwei wundergläubige Proletarier auf der Suche nach dem Glück. Für Julian wird es zunehmend schwieriger, den kommunistischen Filmemacher zu performen, außerdem kommt ihm ein Vorzeigearbeiter mit amerikanischen Träumen in die Quere, ein stummer Mönch mit magischen Kräften und einem Sprung in der Schüssel tritt auf, die Plantagenbesitzerin wird versehentlich getötet und eine versuchte Revolution endet in Ratlosigkeit. Da kommen die Spatzen in den Bäumen mit einem unerhörten Plan…

 

Deutschland 2017, 99 Min., DF/OmeU, FSK: ab 0 Jahre, Regie & Buch: Julian Radlmaier, mit: Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Kyung-Taek Lie, Beniamin Forti, Ilia Korkashvili, Zurab Rtveliashvili u. a.

 

Hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/sebh

NORTE – THE END OF HISTORY

Ein Film von Lav Diaz

 

Dostojewskis Schuld und Sühne trifft auf poetischen Realismus: In seinem neuen, in Cannes gefeierten Meisterwerk, entwirft Lav Diaz ein Sittengemälde der modernen Philippinen, das einem mit seiner filmischen Opulenz und mit seinem radikalen Nihilismus die Sprache verschlägt.

 

Der bürgerliche Jurastudent Fabian hat genug von der modernen Gesellschaft und will endlich seine revolutionären Ideen in die Praxis umsetzen. Sein Opfer wird die Pfandleiherin seines Wohnviertels: Er ermordet sie, doch die Spur des Verbrechens führt zu Joaquin, einem armen Schuldner der Ermordeten, der ohne Beweise zu einem Geständnis gebracht wird und für Jahre in einem Hochsicherheitsgefängnis verschwindet. Zurück bleibt seine Frau mit den beiden Kindern, die nun alleine den täglichen Kampf ums Überleben meistern muss.

 

Diese kurz angerissenen Handlungsstränge verwebt Lav Diaz zu einem fulminanten, anspielungsreichen und spannenden Gesellschaftsroman, in dem die individuellen Schicksale der Protagonist_innen den Spiegel bilden für eine in den Jahrhunderten des Kolonialismus und den Jahrzehnten der Diktatur beschädigte Gesellschaft.

 

Philippinen 2013, 250 Min., Omu (englisch/tagalog), FSK: k. A., Regie: Lav Diaz, mit: Sid Lucero, Angeli Bayani, Archie Alemania, Angelina Kanapi, Mae Paner, Soliman Cruz, Ading Hazel u. v. a.

 

Und hier geht’s zum Stream: https://vimeo.com/ondemand/nortetheendofhistory

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